In Schaufling beginnen die Arbeiten am neuen Bürgerzentrum und am Kita-Anbau 

Stühle stehen auf staubigen Tischen hinter trüben Fensterscheiben, herausgerissene Bodenfliesen geben in der Gaststube freien Blick auf den Unterboden. Hinterm Tresen findet man noch zwei alte, halbvolle Schnapsflaschen, Dreck und Trostlosigkeit: ein verlassenes Wirtshaus, und mittendrin sitzt ein lächelnder Bürgermeister. Robert Bauer weiß, bald wird alles anders und Schaufling erhält seinen Mittelpunkt zurück. Im Frühjahr starten die Bauarbeiten am Bürgerzentrum sowie für den Anbau an die Kita. Das Wirtshaus mit Saal und Ladengeschäft war gut frequentiert. Vereine trafen sich, Stammtische pflegten ihre Geselligkeit, auf Bällen und Hochzeiten wurde gerne gefeiert, beim Leichentrunk miteinander getrauert. Trotzdem konnten die Besitzer die Wirtschaft und das Gebäude, das schon im Urkataster verzeichnet ist, nicht halten. Die Versteigerung drohte. Der Niedergang des Dorfwirtshauses trieb Robert Bauer um. „Wie wenn man einer Gemeinschaft die Luft zum Atmen nehmen würde“, beschreibt der Bürgermeister den Verlust des Wirtshauses für den Ort. Er sieht es als „gesellschaftliche Pflicht“ einer Gemeinde, die Rahmenbedingungen für eine funktionierende Gemeinschaft zu bieten. Im Gemeinderat war man sich einig, die Situation genau zu beobachten, als die Versteigerung näher rückte. „Wir haben dann mit den Gläubigern gut verhandeln können“, so Bauer, und die Gemeinden kaufte die Immobilie 2018, noch ehe die Versteigerung aufgerufen wurde. „Wenn nicht, hätten wir jetzt vielleicht einen Wohnblock mitten im Dorf, bestenfalls noch ein Baugebiet“, glaubt Bauer. Jetzt lag es an der Gemeinde, aus dem Objekt etwas zu machen. Gemeinsam mit den Beratern der Städtebauförderung entwickelte die Kommune ein Konzept und bekam gute Resonanz aus der Bürgerbeteiligung. Aus dem alten List-Anwesen soll nun ein Bürgerzentrum werden – mit Gastwirtschaft samt Biergarten, Bürgerbüro und Vereinsräumen sowie, in einem Anbau, einem Bürgersaal. Eine gewaltige Aufgabe für die kleine Gemeinde. 

Robert Bauer in der alten Gaststube: Der Bürgermeister hat das Projekt Bürgerzentrum vorangetrieben und freut sich, dass der Ort wieder ein Wirtshaus bekommt, damit die Gemeinschaft gut funktionieren kann.

− Foto: Trs 

Was wird beim Bürgerzentrum gebaut?

Die Architekturschmiede Oswald aus Kirchdorf im Wald plant und begleitet den Bau des Bürgerzentrums. In Absprache mit der Städtebauförderung muss der historische Bestand des List-Anwesens erhalten bleiben, das betrifft den Großteil des langgezogenen Gebäudes an der Hauptstraße. Nur auf der Westseite wird ein Teil – in etwa die Fläche des bisherigen Ladens – abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Auf der Rückseite (Süden) verschwinden Nischen und Vorsprünge, der gesamt Bau bekommt klare, gerade Linien. Dort, wo bisher der Laden war, entsteht die neue Gastronomie mit etwa 80 Sitzplätzen und einem Biergarten in Richtung Dorfplatz. Der übrige Bestand wird von Grund auf saniert. Im Erdgeschoss finden neben den Gastro- Funktionsräumen auch ein Bürgerbüro, ein touristischer Info-Point sowie ein Vereinsarchiv Platz. Im ersten Stock, wo bisher der Saal war, werden drei großzügige Vereinsräume eingerichtet. Sie sollen von allen Schauflinger Einrichtungen wie Mutter-Kind-Gruppen oder Seniorenclub genutzt werden können. Richtung Südwesten wird ein 26 mal 15 Meter großer Neubau angesetzt, in den der Bürgersaal mit bis zu 300 Plätzen eingerichtet wird. Über ein Foyer wird der Anbau mit der Gastronomie verbunden. 

Wie wird geheizt?

Das bestehende Nahwärmenetz mit Schulgebäude, Kindergarten, früher der Gemeindekanzlei, dem Pfarrzentrum und der Kirche, wird um das Bürgerzentrum erweitert und dann nicht mehr von der Schule aus, sondern durch eine neue Hackschnitzelheizung im Keller des Bürgersaals mit Wärme gespeist. Eventuell können dort noch mehr Gebäude angeschlossen werden, angedacht ist, auf der noch freien Fläche einen Nahversorger anzusiedeln. „Wir stehen noch in Verhandlungen mit möglichen Investoren oder auch Pächtern“, gibt sich Bauer allerdings noch zurückhaltend. 

Wann wird gebaut?

Die Arbeiten am Teilabbruch sollen im Mai beginnen, danach ist Baubeginn am Bürgerzentrum. Läuft alles glatt, könnte das Zentrum Ende 2023/Anfang 2024 fertig sein. Zu Beginn des Kindergartenjahrs 2023 soll der Kita-Anbau bezogen werden können, dort soll voraussichtlich bereits in der Karwoche mit den Kanal- arbeiten gestartet werden. 

Was wird am Kindergarten gebaut?

Der bestehende Kindergarten St. Georg auf der dem Bürgerzentrum schräg gegenüberliegenden Seite des Dorfplatzes wird nach Plänen von Architekt Stephan Meier (Deggendorf) um einen Anbau erweitert, in dem zwei Krippengruppen Platz finden. Im Erweiterungsbau mit insgesamt 486 Quadratmeter Nutzfläche gibt es für jede der beiden Gruppen einen Gruppen- und einen Schlafraum sowie sanitäre Anlagen, außer- dem eine zentrale Küche zur Essensausgabe sowie einen gemeinsamen Essenraum für Regelgruppen und Krippenkinder. Dieses Raumangebot gab es im Bestand bisher nicht. Der Kindergarten bietet nach der Erweiterung Raum für insgesamt 77 (statt bisher 59) Kindergartenplätze und 24 (statt zwölf) Krippenplätze. Die drei Regelgruppen (Kindergarten) werden im Bestand untergebracht, die Krippengruppen im Erweiterungsbau. 

Was kostet das alles?

Beim Bürgerzentrum geht die Gemeinde aktuell von Nettokosten von knapp sieben Millionen Euro aus. Auch wenn die Städtebauförderung die öffentlichen Bereiche mit 80 Prozent bezuschusst – für den Rest gelten andere Sätze – werden rund zweieinhalb bis drei Millionen Euro an Eigenmitteln für die Kommune übrigbleiben. An Gesamtkosten für die Erweiterung der Kita rechnet Schaufling mit rund zwei Millionen Euro. Bürgermeister Bauer und stellvertretender Geschäftsstellenleiter Patrick Eder sind guter Dinge, dass sich die Kosten auch im Rahmen bewegen. Acht Gewerke sind bereits ausgeschrieben mit zufrieden- stellenden Ergebnissen. „Wir haben uns viel Zeit gelassen und liegen knapp unter der Kostenberechnung“, freut sich Bauer. An Zuschüssen über FAG-Mittel, KfW-55-Förderung und aus dem Bundesförderpro- gramm für Lüftungsanlagen rechnet die Gemeinde insgesamt mit etwa 1,3 Millionen Euro (rund 65 Prozent). Zu Gute kam ihr die Anpassung des Kostenrichtwerts im Frühjahr von 5010 auf 5626 Euro je Quadratmeter Hauptnutzfläche, nach dem die Förderhöhe berechnet wird. 

Die Ansicht von Westen des neuen Bürgerzentrums: Links der neu gebaute Teil mit der Gastronomie und dem Biergarten in Richtung Dorfplatz, rechts der Neubau für den Bürgersaal.

− Plan: Architekturschmiede Oswald

Text aus PNP vom 02.04.22 von Wendelin Trs 

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