Von hoher See auf die Rusel

Florian Heidel eröffnet im Juni sein „Berg Café Floh“ am Ruselabsatz – Umgebauter Seecontainer – Ideen für das Areal
Text und Foto: Michaela Arbinger, PNP, 29.05.2021
Der Ruselabsatz hat gastronomisches Potenzial. Hier kommen Wanderer vorbei. Biker, Drachenflieger, Spaziergänger, Schlittenfahrer, Langläufer. Nur das Einkehren gestaltet sich derzeit noch schwierig. Das wird sich ab 12. Juni an Wochenenden und Feiertagen ändern. Florian Heidel baut gerade einen Seecontainer zum „Berg Café Floh“ um. Nur Kaffee und Kuchen? Der Floh wäre nicht der Floh, wenn ihn nicht schon viele Ideen für das ganze Areal umtreiben würden.
Corona hat Florian Heidel, der im Westlichen Stadtgraben vor ziemlich genau einem Jahr das Cafe Floh eröffnet hat, zum Schachtelwirt gemacht. Er bietet recht erfolgreich Bowls, Frühstück und Kuchen to go an. Unter Gastronomie versteht er aber etwas anderes. Er will Gastgeber sein, vor allem aber seinen Gästen auch etwas Neues bieten. Gut, dass er handwerkliches Geschick hat, einen Bruder (Maximilian), der Metallbaumeister ist, und Eltern (Margit und Manfred), die helfen, wo es nur geht. So wird derzeit in einem Familienprojekt aus einem sechs Meter langen Seecontainer ein cooles Café. Tauglich für den Ganzjahresbetrieb, mit Anschlüssen für Spülmaschine, Handwaschbecken, Kuchentheke, Gefriertruhe und Kaffeemaschine. Und diebstahlsicher.
Heidel wird seinen stylish-grauen Container demnächst auf den Parkplatz vor dem ehemaligen Berghotel stellen. Das seit 15 Jahren dem Verfall preisgegebene, ehemalige Hotel bietet mit Graffiti und verschlagenen Fenstern noch eine recht morbide Kulisse: „Ein Freund von mir wird die Fassade im Sommer weiß gestalten, mit unserem Logo drauf“, kündigt Heidel an. Man wird es ohnehin kaum wahrnehmen, denn der Gastronom wird den Container mit der langen Seite zum Gebäude ausrichten. Der Platz davor wird aufgekiest und mit Baumstämmen umgrenzt, auf denen die Gäste Kaffee, Kuchen, Getränke und Snacks genießen können. Ihr Blick wird automatisch über die Wälder in die Ferne schweifen; an manchen Tagen bietet sich eine fantastische Aussicht.
„Ich freue mich, dass hier etwas auf die Beine gestellt wird. Das Berghotel steht ja schon seit 2008 leer“, sagt Schauflings Bürgermeister Robert Bauer. Das Gebäude gehört der Dr.-Elisabeth-Gilbert-Lichtwer-Stiftung, Pächter ist das Gräfliche Haus Moos. Zwar gab es immer wieder Interessenten für das Haus, konkret sind die Pläne aber nie geworden. „Schön, dass der Platz jetzt belebt wird. Wir bekommen auch immer wieder Anfragen in der Touristinfo. Das hier ist ein wichtiges Areal zur Naherholung“, weiß Bauer.
Ganz so einfach ist es freilich nicht, dort oben ein Café aus dem Boden zu stampfen. Zwei Wochen lang wurde gegraben und Leitungen für Strom und Wasser verlegt. Die Gemeinde hat dabei ebenso mitgeholfen wie die Mooser.
Pandemiebedingt wird Florian Heidel erst einmal auf „To go“-Betrieb setzen, „erst einmal testen, wie das Café ankommt“. Er ist auf der Rusel nicht zum ersten Mal gastronomisch tätig und hat zusammen mit seiner Mutter Margit
Bürgermeister:„Ein wichtiges Arealzur Naherholung“
2015 und 2016 viermal das Summer-Mountain-Festival organisiert; zweimal brutal vom Wetter verhagelt. Er scheint diesen Ort trotzdem ins Herz geschlossen zu haben, plant für nächstes Jahr einen Biergarten auf dem Parkplatz, Sonnwendfeiern, Kulturveranstaltungen mit örtlichen Vereinen und vielleicht sogar einen Christkindlmarkt.
Ein wichtiges Thema ist Florian Heidel die Müllvermeidung. Wie in seinem Deggendorfer Café wird es deshalb alles nur in Glasflaschen, auf Tellern und in Tassen geben. „Wir verlangen Pfand und wollen keinen Müll.“ Eine Spezialität steht schon jetzt fest. Margit Heidel – eine fantastische Kuchenbäckerin – wird Bergecken anbieten; köstliche Nussecken in der Form von zwei Zuckergussgipfeln.
Die Heidels wollen längerfristig auf der Rusel etwas reißen. Und weil es ihre Gäste rund um das „Berg Café Floh“ richtig schön haben sollen, planen sie Mitte Juni in Eigenregie ein Ramadama. Einmal durchwischen – und fertig ist das Café am Berg.

Die Schürze mit den Lederriemen ist sein Markenzeichen: Florian Heidel (links) wird den Ruselabsatz mit einem zum Café umgebauten Seecontainer bereichern. Schauflings Bürgermeister Robert Bauer freut sich schon auf das Berg Café Floh.