Neues von der ILE

Vom Abwasser bis zum Gewerbegebiet

Vielfältige Möglichkeiten interkommunaler Zusammenarbeit über die ILE

 

Vier Jahre nach ihrer Gründung steht die ILE Sonnenwald vor wichtigen Entscheidungen: Vorsitzender Leopold Ritzinger (Zenting) forderte in der zweiten Gemeinschaftssitzung im Gasthaus Muckenthaler bis Ende Oktober Beschlüsse der zehn Mitgliedsgemeinde ein, in denen man sich für oder gegen die Gründung eines kommunalen Dienstleistungsunternehmen und für ein gemeinsames Gewerbegebiet ausspricht. Unterstützung erhielt Ritzinger vom Schöllnacher Kollegen Alois Oswald, der die Kollegen aufforderte, „nicht die eigene Suppe zu kochen“.

Der Schöllnacher Bürgermeister warnte vor einer Ausweitung des Münchner Speckgürtels, der jetzt schon bis nach Landshut und Dingolfing reiche. Eine Region mit einer Stimme, in diesem Fall die der ILE Sonnenwald, sei dringend notwendig.

Als wie wichtig oder unwichtig die „integrierte Ländliche Entwicklung“ (ILE) in den Köpfen von Markt- und Gemeinderäten abgespeichert ist, dokumentierte der Besuch zur zweiten Gemeinschaftssitzung der ILE Sonnenwald. Die lichten Reihen im Muckenthaler-Saal waren unübersehbar. Nicht einmal die Gastgebergemeinde, der Markt Schöllnach, war mit seinen Markträten vollständig vertreten. Die Gemeinde Außernzell vertrat zu Beginn Bauhofleiter Alois Schosser, weil Bürgermeister Michael Klampfl etwas verspätet eintraf.

Umso mehr freute sich ILE-Chef Leopold Ritzinger über die Anwesenheit seiner Kollegen Stefan Achatz (Bernried) und Werner Troiber (Ruhmansfelden) von der ILE Donau-Wald, Professor Dr. Konrad Schindlbeck (Commit GmbH), Andrea Rothkopf (Projektmanagement) und Schriftführer Klaus Repper, der von den Bürgermeistern der ILE – Gemeinden als Koordinator/Manager zum 01. Oktober eingestellt worden ist.

Die Gemeindechefs aus Bernried und Ruhmannsfelden outeten sich in Schöllnach als absolute Befürworter für eine Integrierte Ländliche Entwicklung, denn die „ILE soll eine Solidargemeinschaft sein“ sagte Achatz, der vor einem Jahr zum Vorsitzenden der ILE Donau-Wald gewählt worden ist. Beide Redner warben dafür die Angebote einer ILE auch anzunehmen und umzusetzen, „eigene einzubringen“ und nicht immer von anderen abzukupfern, „das bringt uns nicht weiter“.

Professor Dr. Konrad Schindlbeck gab einen Sachstandsbericht zum Geräte- und Personalkonzept der Bauhöfe in der ILE Sonnenwald. Er bemängelte, dass beim Thema Wasserversorgung und Abwasserentsorgung die Rechtsicherheit immer noch nicht gegeben sei und stelle eine „immer schärfer werdende Checkliste“ der Behörden zum Jahresende dagegen. Um diese Qualitätsmerkmale gewährleisten zu können, fehle in den Gemeinden ein Wassermeister.

Thema Bauhöfe: Schindlbeck merkte dazu an, dass „kein gemeinsamer Einkauf“ stattfinde. Die kleineren Bauhöfe verfügten zwar über Allrounder, aber Facharbeiter fehlten. Des Professors Einschätzung: Man ist zu kleinteilig unterwegs. Schindlbeck verwies auf viele Vorteile, die ein überarbeitetes Personalkonzept bringe: Kosteneinsparungen, bessere Rufbereitschaft, Mitarbeiter und Spezialmaschinen von höherer Qualität und das Achten auf Rechtsicherheit. Um dies alles in der ILE umsetzen zu können, empfahl der Fachmann die Einstellung von einem bis zwei Wassermeistern, die eines Koordinators für die Bauhöfe („der würde sich auf jeden Fall rechnen“) und die eines Abwassermeisters, der zum Beispiel ein Konzept für die Klärschlammentsorgung entwickeln könne. Um diese Vorschläge umsetzen zu können, warb Schindlbeck für eine Gründung eines kommunalen Dienstleistungsunternehmens Sonnenwald mit mehreren Geschäftsbereichen (Wasser, Abwasser, Bauhöfe, Baulanderschließung, Tourismus, Sicherheit und Ordnung). Dazu sei das Installieren eines Vorstands und Verwaltungsrats notwendig.

Thema gemeinsames Gewebegebiet: in den Gemeinden Auerbach, Lalling, Schaufling und Schöllnach stünden dafür insgesamt 41 Hektar zur Verfügung. Die Gemeinde Zenting könne diese Überlegungen mit Ausgleichsflächen kompensieren. Zur Umsetzung schlug Konrad Schindlbeck einen Bauträger vor, der sich um den Ankauf der Grundstücke, deren Erschließung und um den Verkauf kümmern soll. Den Kapitalbedarf beziffere er auf zirka 25 Millionen Euro.

Bei der Bewerbung zur Öko-Modellregion sei die ILE Sonnenwald nicht berücksichtigt worden. Aktuell sei man bei der Erarbeitung eines Konzepts, das auch vom Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) in Landau unterstützt werde. Andrea Rothkopf hat dabei Produkte aus der Region im Blick, die man eventuell in „regionalen Ecken“ in den Supermärkten anbieten könnte. Dazu sollen auch Kindergärten und Schulen mit ins Boot geholt werden, um die Wertschätzung regionaler Nahrungsmittel nach oben zu schrauben. In einer kurzen Diskussionsrunde wurde darüber geklagt, dass „für Lebensmittel immer weniger bezahlt wird“ (Leopold Ritzinger). Ein Gemeinderat sorgt sich um die „ganze Wertschätzung“, die „wieder den Bach runter geht“ und forderte als Gegenmaßnahme „mehr Unterstützung von der Politik“.

Um das Kommunikations- bzw. Vermarkungskonzept der ILE Sonnenwald „besser in die Bürgerschaft tragen zu können“, plädierte Andrea Rothkopf für „gezielte Marketingmaßnahmen“ und für einen Namen, „der vermarktbarer ist“. Dieser Meinung war auch Vorsitzender Leopold Ritzinger. „Unsere ILE muss bekannter werden“.

Am Ende der Gemeinschaftssitzung nahm der vorstand aus Zenting die Mitgliedsgemeinden in die Pflicht: Die Zeit sei gekommen, um sich zu entscheiden. „Wollen oder wollen wir nicht mitmachen?“, fragte Ritzinger und forderte dazu auf, Farbe zu bekennen. Die dazu nötigen Beschlüsse sollen in den Gemeinden bis Ende Oktober getätigt werden. „Wir wollen ein kommunales Dienstleistungsunternehmen gründen, das für uns Dienste leistet, zum Beispiel auch für die öffentliche Sicherheit und Ordnung in unseren Gemeinden“. Die Gründung soll 2020 erfolgen.

 

rb