Dass dem Krieger- und Soldatenverein das Gedenken an die gefallenen, vermissten und verstorbenen Kameraden sehr wichtig ist, sah man an der großen Beteiligung bei ihrem stattgefundenen Jahrtag im Juli. Die Voraussetzungen und Rahmenbedingungen waren anders als 2019, wo es noch ein Dorfwirtshaus gab und kein Corona.  Aber im Rahmen des Goldsteigfestes war die Bewirtung gesichert und viele örtliche Vereine und Gastvereine beteiligten sich am Gottesdienst, Kirchenzug mit Blaskapelle und anschließendem Fest beim Goldsteigfest im Pfarrgartenbereich. 

Den feierlichen Gottesdienst zelebrierte Pater Basilius vom Kloster Niederalteich. Vorsitzender Josef Schmidbauer begrüßte beim Gedenken am Kriegerdenkmal die Nachbarvereine von Auerbach, Mietraching und Greising sowie alle örtlichen Vereine mit Bürgermeister Robert Bauer und den Gemeinderat und dankte Pater Basilius für die würdige Gestaltung des Gottesdienstes.

Anbei ein Auszug aus der Rede von Bürgermeister Robert Bauer:

„In diesem Jahr erleben wir mit geradezu brutaler Härte der Realität, wie unabdingbar wichtig solche Gedenktage wie der heutige Jahrtag des KSV Schaufling für uns alle sind. Warum wir diese Tage abhalten und erleben sollten – leben müssen! Gemeinsam begehen müssen.

Natürlich beziehe ich mich auf die Umstände in der Ukraine – den unglaublichen Krieg, hier, bei uns in Europa, ganz in der Nähe! Terror / Krieg / Vertreibung. Sie klopfen direkt an unsere Haustüre – lassen uns taumeln und holen tief vergrabene Ängste in fast allen von uns hervor. Getrieben von Allmachtsphantasien und dem verbrecherischen Plan, Grenzen zu verschieben und gegen Freiheit und Demokratie – die wichtigsten Werte einer lebenswerten Gesellschaft – vorzugehen, zieht ein Mann in den Krieg…? In den Angriffskrieg! Dabei ist jetzt schon klar, dass auch tausende russischer Eltern um den sinnlosen Tod ihrer Kinder trauern – genauso wie zahllose Menschen in der Ukraine um ihre Angehörigen trauern. Tag für Tag, Stunde für Stunde, jede Minute.

Nach über 75 Jahren Frieden in Europa, nach dem Fall der Mauer, nach Überwindung des kalten Krieges, ereilt uns dieFragilität des friedlichen Miteinanders, welches nur zu gern immer und immer wieder bis auf das Letzte aus – humanitär gesehen – niedrigsten Beweggründen aufs Spiel gesetzt und strapaziert wird. Und obwohl die politischen Spannungen in der Ukraine in den letzten Jahren zugenommen haben, die Krim annektiert wurde; – im Übrigen, Krisenherde wie wir sie vielfach haben – die momentane Situation in dieser Dimension war bis zum 24. Februar dieses Jahres für Niemanden auch nur ansatzweise wirklich im Bereich einer eventuellen Realität.

Der Ukraine-Krieg ist in seiner ganzen Brutalität real, Verlauf und Ausgang sind offen. Die Illusion eines friedlichen Zusammenlebens unabhängiger Länder in Europa und die Hoffnung auf Frieden durch wirtschaftliche Bindungen sind irgendwo schon… jäh geplatzt. Wir sehen Gewalt, Zerstörung und Tod in unmittelbarer Nähe und müssen „wieder“ – wie einst die Kriegsgenerationen vor uns – lernen, mit Kontrollverlust, Angst und Ungewissheit umzugehen. Nüchtern betrachtet: Eigentlich ist es unglaublich…

Die Frage, wie dieser Krieg beendet werden kann ist sehr facettenreich. Umsichtiges und verantwortungsbewusstes Handeln der Entscheidungsträger istnotwendig. Direkte und respektvolle Kommunikation; aber auch das Einstehen für die eigenen Werte und das appellieren an die uns alle einenden, universellen Werte.

Dies gilt für die Entscheidungsträger des sogenannten Westens, allen voran auch Deutschland. Aber schon auch für jeden Einzelnen von uns! All die Namen der Kriegsopfer auf den Kriegerdenkmälern und Soldatenfriedhöfen der Welt mahnen uns… Kriegstreibern und Kriegslobbyisten entgegenzutreten. Im Großen wie im Kleinen. Am Schauplatz der Gewalt direkt sowie auch dort, wo notwendige Entscheidungen auch ihre etwaigen unvermeidbaren Auswirkungen zeigen.

Jeder Einzelne muss wachgehalten werden, ob der Gefahr die von Krieg und Gewalt, Terror und Vertreibung ausgehen. Eine Gefahr die heute so nah ist wie seit fast acht Jahrzehnten nicht mehr. Eine Gefahr die da ist.

Das Begehen des Jahrtages unseres KSV ist daher mit dem Jahre 2022 in seiner Wichtigkeit nicht nur dem Wachhalten der Erinnerungskultur geschuldet. Nein, es ist ein Aufzeigen von brutaler Realität wie sie sich drastischer kaum darstellen könnte. Und es ist unser aller Pflicht, der Wahrheit ins Auge zu blicken, dementsprechend zu handeln. Jeder von uns muss… Jeder von uns wird sich früher oder später damit auseinandersetzen müssen. In welcher Form auch immer.

„Förderung der Völkerverständigung und des Friedens.“ Dies ist die Grundlage für ein lebenswertes Europa, eine lebenswerte Welt – und sie sichert das Überleben der Menschheit! So wie es in den Grundsätzen der Krieger- und Soldatenvereine festgeschrieben ist.

Ein Gedenken wie das heutige darf daher niemals – niemals – in ein allgemeines Vergessen münden – Nein: Gedenken soll zum Nachdenken anregen, zum Handeln. Gedenken sollen auch keine alten Wunden aufreißen. Nein: Sie sind eine Erinnerung an die von den Völkern durchlebten Prüfungen und Schwierigkeiten; sie sind die Lehren aus der Geschichte, sie sind Aufrufe zur Vereinigung, zum Zusammenschluss, zum Engagement angesichts vieler Herausforderungen und unterschwelligen Bedrohungen.

Erinnerungsfeiern sollen der Welt von „Heute“ eine Richtung anzeigen: Gemeinsam für Frieden, Freiheit, Gleichheit und Demokratie einzutreten! Gemeinsam mit unseren Nachbarn in Europa – gemeinsam mit und vor allem auch für unsere Nachbarn in der Ukraine.

Ich danke unserem KSV sowie allen Krieger- und Soldatenvereinen für ihr wichtiges „Wachhalten“. Und bitte um Wahrnehmung, wache wirkliche Wahrnehmung jedes Einzelnen – der Gesellschaft. Wache Wahrnehmung darüber, was es heißt, aus Leichtsinn, Überheblichkeit, Machtstreben – und es gibt tausend haltlose Gründe – Frieden und Freiheit gegen Krieg und Gewalt tauschen zu müssen… „

Als Friedens-Zeichen wurde eine Blumenschale am Kriegerdenkmal niedergelegt.

Text: Mariele BerndlFoto: Erwin Graf

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