Insgesamt 600 Kubikmeter: Hochbehälter Obernberg entsteht im Spezialverfahren 

Bahn für Bahn schraubt sich das vier Millimeter dicke Edelstahlblech direkt von der Rolle unter die Außenkante des runden Deckels. Der ist über dem Bodenblech aufgehängt und wird Stück für Stück hochgezogen, während die Blechbahnen spiralförmig an- geschweißt werden. So entstehen im Inneren des neuen Holzständer-Bauwerks in Obernberg zwei 5,50 Meter hohe, runde Trinkwasserspeicher. Sie haben jeweils acht Meter Durchmesser und miteinander Platz für 600 Kubikmeter Wasser. Mit diesen Tanks hat der neue Hochbehälter doppelt so viel Fassungsvermögen wie der Bisherige. Der wird abgebaut, sobald der neue Speicher angeschlossen ist und die Gemeinde Schaufling, die Asklepios-Klinik sowie Teile der Gemeinden Auerbach und Hengersberg versorgt. 

Als dieses Gebiet noch an den Quellen der Deggendorfer Stadtwerke hing, wurde das Wasser, das diese lieferten, immer knapper. Im besonders trockenen Jahr 2018 gipfelte der Notstand darin, dass Tag und Nacht Wasser mit Tankwagen angeliefert werden musste. Die Gemeinde Schaufling mit Bürgermeister Robert Bauer hatte daraufhin schnell gehandelt und ein Millionenprojekt auf den Weg gebracht. 

Seitdem sind fünf Kilometer Zubringerleitung vom Hochbehälter Thannberg her verlegt worden, eine neue Pumpstation in Dippling befördert das Wasser darin nach Obernberg (DZ berichtete). Über diese Verbindung wird das Gemeindegebiet inzwischen vom kommunalen Zweckverband Wasserversorgung Bayerischer Wald mit dessen „Waldwasser“ versorgt. 

Als letzter Schritt entsteht nun für rund 2,63 Millionen Euro der neue Hochbehälter. Bauherr ist die Gemeinde Schaufling, die dafür laut Robert Bauer 50 bis 60 Prozent Förderung vom Freistaat erwarten darf. An den verbleibenden Kosten beteiligen sich etwa zur Hälfte Waldwasser und anteilig die Asklepios-Klinik, die Gemeinden Auerbach und Hengersberg. Der Betrag, der auf die Haushalte umgelegt werden muss, konnte so klein gehalten werden. „Das ist schon ein Meisterstück, das wir da geschafft haben“, stellt Robert Bauer fest: „Und das haben wir auch der Hilfe des damaligen Landrats Christian Bernreiter zu verdanken.“ 

Waldwasser-Werkleiter Hermann Gruber findet es unterstützenswert, wenn sich Gemeinden so gut um die Zukunft der Trinkwasserversorgung kümmern. Waldwasser sei dafür der richtige Partner: „Wir sind gesegnet mit zwei Standbeinen, der Trinkwassertalsperre Frauenau und dem Brunnenfeld im Moos.“ Mit dem neu gebauten Düker unter der Donau
könne eine große Menge in alle Versorgungsbereiche beidseits des Flusses transportiert werden – auch nach Obernberg. Das Spezialverfahren, mit dem dort die beiden neuen Behälter gebaut werden, hat sich die Ravensburger Hydro-Elektrik GmbH patentieren lassen. Bei einem Ortstermin am Mittwoch mit Robert Bauer, Hermann Gruber, dem Technischen Leiter der Gemeinde Tobias Harant sowie den Bauausschuss-Mitgliedern haben Vertreter der Firma und Peter Bortenhauser vom Ingenieurbüro S2 aus Barbing einen Einblick in den Neubau gegeben. Baubeginn war vor etwa einem Jahr. Seitdem ist das etwa 1,5 Millionen teure Holzständer-Gebäude samt Technik-Anbau auf einem Stahlbetonsockel entstanden. Rund eine Million kostet der Bau der Anlagen im Inneren. Dort ist der erste Behälter bereits zum Teil aufgebaut. Vom zweiten sind erst die Bodenplatte und der hängende Deckel zu sehen. Wenn die Behälter fertig sind, wird für rund 130 000 Euro die Elektro-Installation erledigt, dann werden die Zu- und Ableitungen vom alten auf den neuen Hochbehälter umgeschossen und schließlich die Außenanlagen hergerichtet. Mitte Oktober sollten alle Arbeiten abgeschlossen sein. 

Text aus PNP vom 21.04.22 von Katrin Schreiber 

In dem neuen Holzständer-Bauwerk entstehen die Wasserbehälter: Der erste im Hintergrund hat schon einen Teil seiner Seitenwände, die spiralförmig von oben nach unten wachsen, während der Deckel immer weiter bis auf 5,50 Meter angehoben wird. Vom zweiten Behälter im Vordergrund sind bisher nur das Bodenblech und der Deckel, beides mit 8 Metern Durchmesser, an Ort und Stelle.

Planer Peter Bortenhauser (2.v.r.) und ein Vertreter von Hydro-Elektrik erklärten im Behälter, wie die Wände spiralförmig ausgerollt und verschweißt werden. Mit dabei Robert Bauer (3.v.l.), Hermann Gruber (4.v.l.), Tobias Harant (r.) und Bauauschuss-Mitglieder aus Schaufling.

Fotos: Katrin Schreiber 

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