Naturpark unterstützt Neuanlagen und Unterhaltungsschnitte.

Wer sitzt im Sommer nicht gerne im Schatten alter knorriger Streuobstbäume? Oder beißt genussvoll in einen selbst gepflückten Apfel? Oder genießt nach Feierabend ein Glas Most aus der eigenen Streuobstwiese? Alles in allem können solche Streuobstwiesen ein wahres Geschenk sein. Die Bäume der Streuobstwiesen sind oft deutlich älter als die jetzt lebenden Menschen und wurden nicht von ihnen gepflanzt. Vielmehr hat bereits eine Generation zuvor die Streuobstwiesen, die man heute in voller Pracht sieht, angelegt und gepflegt. Wer eine Streuobstwiese pflanzt, beschenkt also nicht nur sich selbst, sondern auch die nächste Generation. Eine extensiv bewirtschaftete Streuobstwiese ist außerdem ein sehr wichtiger Lebensraum für eine Vielzahl von verschiedenen Tier- und Pflanzenarten. Durch das Pflanzen einer neuen Streuobstwiese oder das Nachpflanzen auf einer bereits bestehenden Streuobstwiese lässt sich Lebensraum „schenken“. Deswegen werden die Pflanzungen von Streuobstwiesen über das bayerische Landschaftspflege- und Naturparkprogramm gefördert. Die Verwaltungsgemeinschaft Lalling und der Naturpark Bayerischer Wald organisieren gemeinsam die geförderte Pflanzung von neuen Streuobstwiesen und Erhaltungsschnitte an bereits länger nicht gepflegten, alten Obstbäumen. Beides dient dem Schutz und der Entwicklung der Streuobstbestände und ist somit Teil des Aktionsplans des Streuobstwiesenkompetenzzentrums. Mit der Pflanzung eines Streuobstbaums ist die Arbeit aber noch lange nicht getan. Werden Streuobstwiesen nicht sorgsam gepflegt, vermindert sich ihr ökologischer Wert als Lebensraum, aber auch der Obstertrag geht zurück. Auf der Fläche von Familie Struck findet sich eine der neugepflanzten Streuobstwiesen im Lallinger Winkel. Nach dem Kauf ihres Hauses war die erste Idee der Familie, auf einer der umliegenden Wiesen eine Streuobstwiese anzulegen, so Andrea Struck. „Da Obstbäume eine lange Zeit zum Wachsen brauchen, wollten wir gleich mit dem Pflanzen beginnen.“ Nachdem der Entschluss gefasst war, wandte sich die Familie an den Naturpark Bayerischer Wald, der die Förderung und Durchführung von Landschaftspflegemaßnahmen organisiert. Gemeinsam mit Matthias Rohrbacher vom Landschaftspflegeteam des Naturparks wurde die passende Wiese gefunden. Nicht jede Wiese ist gleich gut geeignet. „Es ist wichtig, die Flächen genau anzuschauen und gewisse Faktoren wie beispielsweise Feuchtigkeit, Nährstoffgehalt und Sonnenstunden zu beachten“, erklärt Matthias Rohrbacher. Im Gemeindegebiet Schaufling eignen sich viele Flächen für die Nutzung als Streuobstwiesen. In der sogenannten Obstschüssel des Bayerischen Waldes sind die klimatischen Bedingungen ideal, was sich an dem Kulturgut vieler alter Streuobstwiesen zeigt. Über dieses Kulturgut freut sich auch Bürgermeister Robert Bauer. Bei einem Besuch der frisch gepflanzten Streuobstwiese ist er begeistert über das Engagement der Familie, die gemeinsam in ihrem neuen Zuhause eine Streuobstwiese gepflanzt hat. Dabei haben auch die Jüngsten der Familie mitgeholfen, genau das ist auch für Robert Bauer wichtig. Denn „Streuobstwiesen sind Generationenprojekte“, erklärt er. Aus diesem Grund lernen bereits die Kleinsten der Gemeinde im Kindergarten, wie man richtig einen Streuobstbaum pflanzt. Auch Maria Gruber, zweite Bürgermeisterin der Gemeinde Lalling und Vorsitzende des Gartenbauvereins, setzt auf die jungen Generationen. Auf ihrer über 100 Jahre alten Streuobstwiese finden Bildungsveranstaltungen für Jung und Alt statt. Maria Gruber ist es besonders wichtig, das Wissen über den Streuobstanbau im Lallinger Winkel zu bewahren und weiterzugeben. Dazu gehört u.a. der Erhalt alter regionalen Sorten, weswegen sie in ihrer biozertifizierten Baumschule viele dieser besonderen Lokalsorten veredelt. 

Auch für den kommenden Herbst und Winter ist ein Förderantrag für Neupflanzungen und Erhaltungsschnitte im gesamten Lallinger Winkel geplant. Wer eine alte Streuobstwiese in der freien Landschaft besitzt, die gepflegt werden soll, oder für sich und die künftigen Generationen ein kleines Paradies der Artenvielfalt und Geschmacksrichtungen pflanzen möchte, sollte sich möglichst bald an Maria Gruber (09904/ 84190; gruber.maria.la@t-online.de) oder den Naturpark (09922/ 802480; info@naturpark-bayerwald.de) wenden. Es wird der Schnitt von Hochstämmen (Kronenansatz ab 160 Zentimeter) in der freien Landschaft – also nicht in Hausgärten – gefördert. Die Bäume müssen mindestens 30 Jahre alt sein und der letzte Schnitt sechs Jahre zurückliegen. Es handelt sich also nicht um einen regelmäßigen Ertragsobstbaumschnitt, sondern um eine einmalige Erhaltungs- und Wiederherstellungspflege von überalterten Beständen. Die Pflanzung von Hochstämmen mit Mindestabstand zehn Meter kann ebenso nur in der freien Landschaft gefördert werden. 

Text aus Deggendorfer Zeitung vom 09.06.2022− dz 

Besuch der neu angelegten Streuobstwiese in Muckenthal (v.l.): Matthias Rohrbacher vom Naturpark Bayerischer Wald, Lallings 2. Bürgermeisterin Maria Gruber, Schauflings Bürgermeister Robert Bauer, Andrea und Marco Struck sowie Franz Peischl. 

− Foto: Lea Stier/Naturpark 

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