Baumprofi Michael Lender erstellt Baumkataster für VG-Gemeinden 

Die etwa 80 Jahre alte Linde am Lallinger Dorfplatz steht besser da als gedacht. Freilich trägt der alte Baum ein paar tote Äste, doch von starker Verfaulung wie befürchtet, kann keine Rede sein. Herausgefunden hat das Michael Lender. Der Forstwirtschaftsmeister aus Frauenau hat im Auftrag der vier VG-Gemeinden alle Bäume auf kommunalem Grund unter- sucht und die Ergebnisse verzeichnet. Mit diesem Baumkataster können die Gemeinden nun die Pflege managen, Risiken minimieren und so haftungsrechtlichen Ansprüchen aus dem Weg gehen. 

Damit nehmen Grattersdorf, Hunding, Lalling und Schaufling sogar eine gewisse Vorreiterolle ein, denn gerade bei kleineren Kommunen ist das Thema oft noch nicht angekommen, weiß Michael Lender. Er erinnert an einen Unfall auf einem Augsburger Spielplatz, als ein umstürzender Baum eine Mutter mit ihrem Kind verletzte, und das Mädchen an den Verletzungen starb. Gefahren können auch von dürren oder abgestorbenen Ästen ausgehen, die sich aus der Krone lösen. 

„Es ist eine Pflichtaufgabe, die gemeindlichen Baumbestände zu überwachen und zu kontrollieren“, sagt Robert Bauer, Bürgermeister von Schaufling und VG-Vorsitzender. Auch im Lallinger Winkel war das bislang kein Thema, doch gesellschaftliche Veränderungen haben Haftungsfragen weiter in den Vordergrund gerückt. 

Mit dem von Michael Lender erstellten Baumkataster wurde die Grundlage für eine kontinuierliche Überwachung und Pflege der Bäume geschaffen. Mit seinen Kollegen Robert Schwankl (Grattersdorf), Thomas Straßer (Hunding) und Michael Reitberger (Lalling) ist sich Bauer einig, dass die Aufgabe im Schulterschluss der vier Gemeinden leichter und effektiver zu bewältigen war. Mit Hilfe des Baumkatasters können die Gemeinden einen Nachweis über die durchgeführten Baumkontrollen führen oder auch die Pflegemaßnahmen optimieren. 

Mit Unterstützung von Laura Reimer aus dem Bauamt der VG sowie den gemeindlichen Bauhöfen untersuchte Michael Lender im Sommer und Herbst 2021 systematisch etwa 730 Bäume. Der Experte begutachtet Stamm, Krone und auch den Wurzelstock auf etwaige Schäden. Gemeinsam mit den Basisdaten wie Standort, Baumart, Größe oder Sicherheitserwartung wird der Zustand digital erfasst und im gemeindlichen Geoinformationssystem hinterlegt. „Einen Baum in einem Kindergarten oder Spielplatz wird man öfter kontrollieren als woanders“, erklärt Lender, worauf es beispielsweise ankommt. 

Neben den Kontrollintervallen legt der Baumexperte – sofern nötig – auch die entsprechenden Pflegemaßnahmen fest. Muss die Krone eingekürzt werden oder reicht eine Totholzsanierung? In manchen Fällen gibt auch erst eine tiefer gehende Untersuchung Aufschluss. Bei der Lallinger Dorflinde ergab eine sogenannte Bohrwiderstandsmessung, dass der Stamm nicht wie befürchtet stark verfault ist. Eine Kronensicherung und eine Totholzentfernung reichen aus, um die Sicherheit zu gewährleisten. Akuter Handlungsbedarf bestünde beispielsweise auch bei bestimmten Pilzbefällen oder einem Zwieselriss, wenn eine beschädigte Gabel, ein Teil des Stamms oder Asts abzustürzen droht. 

Die meisten Bäume im Winkel sind in einem guten Zustand, attestiert Lender. Für etwa 200 Bäume sieht er Pflegemaßnahmen notwendig. Ein überdurchschnittlicher Wert bei über 700 untersuchten Exemplaren, normal wären hier seiner Erfahrung nach 300 bis 400 Bäume mit Pflegebedarf. 

Text aus PNP vom 25.03.22 von Wendelin Trs

Die Lallinger Dorflinde ist besser beieinander, als auf den ersten Blick vermutet. Das hat Michael Lender (3. v. r.) festgestellt, der unterstützt von Laura Reimer (r.) einen Baumkataster für die Gemeinden der Bürgermeister Thomas Straßer (v. l.), Michael Reitberger, Robert Bauer und Robert Schwankl erstellte.

 − Foto: Trs

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