Der „weiße Fleck“ von Waldwasser im Landkreis Deggendorf ist bald Geschichte. Bis Jahresende soll die neue Wasserleitung für die Gemeinde Schaufling an den Hochbehälter in Obernberg angeschlossen werden. Dann erhält auch Schaufling sein Trinkwasser über den Zweckverband Waldwasser von der Trinkwassertalsperre Frauenau.
Die Arbeiten liegen dank zweier Bautrupps gut im Zeitplan. Vom Deggendorfer Waffenhammer aus gräbt ein Bautrupp in Richtung Schaufling, der andere in umgekehrter Richtung. Durch die neue Leitung soll der Wassermangel ein für alle Mal behoben werden, der die Gemeinde Schaufling seit einigen Jahren plagt. Waldwasser-Werkleiter Hermann Gruber liegt die Zukunftssicherheit des Konzepts besonders am Herzen: „In unserer Satzung steht, der Zweckverband wurde gegründet, um die Wasserversorgung sicherzustellen. Von der Wasserleitung profitiert nicht nur eine Gemeinde, sondern mehrere.“ Die Gemeinde Schaufling braucht sich keine Sorgen mehr zu machen, in den kommenden Jahren auf dem Trockenen zu sitzen, und auch Hengersberg und Teile von Auerbach können so mitversorgt werden.
Notversorgung im Dürresommer 2018
„Den ersten Gedanken an eine sichergestellte Wasserversorgung hatten wir schon vor der Wasserknappheit 2018“, erinnert sich Bürgermeister Robert Bauer. Der neue Wasserwart der Gemeinde wies schon früh auf die Gefahr hin, dass es nur eine Versorgungsleitung von Deggendorf nach Schaufling gibt. „Wenn die ausfällt, hat die Gemeinde ein Problem“, bestätigten ihm damals bereits Bürgermeister Bauer und VG-Techniker Rudolf Geiß. Man begann, nach Alternativen zu suchen. „Damals hatte das Thema allerdings noch keine derartige Brisanz“, erinnert sich der Bürgermeister.
Das änderte sich mit dem Dürresommer 2018. Die versorgenden Quellfassungen der Stadtwerke Deggendorf lieferten kaum mehr Wasser. Der durchschnittliche Wasserverbrauch konnte nicht mehr kompensiert werden. Mit Tankwagen musste man den Hochbehälter in Obernberg zusätzlich mit Trinkwasser befüllen. Zudem wurde es notwendig, eine Notversorgung zum Netz der Nachbargemeinde Lalling zu erstellen, um das Versorgungsgebiet der eigenen Gemeinde aufteilen zu können.
„Spätestens jetzt war allen klar, es muss eine zukunftssichere Lösung her“, so Bauer, zumal sich die Trockenperioden häufen. Als die sinnvollste Lösung kristallisierte sich nach eingehender professioneller Prüfung die komplette Anbindung an Waldwasser heraus. Die dafür zu erstellende Zubringerleitung vom Hochbehälter Thannberg von Waldwasser zum gemeindlichen Hochbehälter Obernberg hat eine Länge von ca. fünf Kilometern. Nötig wird auch der Bau eines größeren Hochbehälters in Obernberg mit einer Kapazität von 600 Kubikmetern, also beinahe das Doppelte des jetzigen. Er wird 2021 errichtet. Etwa auf halber Strecke muss ein Pumpwerk eingebaut werden, da Thannberg niedriger als der neue Hochbehälter Oberndorf liegt. Ende Juli fand der Spatenstich für das Vorhaben statt. Neben dem Gussrohr kommen noch ein Schutzrohr und ein Steuerkabel zur Fernüberwachung in den Rohrgraben.
Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 3,5 Millionen Euro. Die Förderung für den Leitungsbau liegt bei etwa 50 Prozent der zuwendungsfähigen Kosten. „Wir haben eine für alle Beteiligten wirtschaftlich gute Lösung gefunden“, sind sich Waldwasser-Werkleiter Gruber und Bürgermeister Bauer einig. Bei der Förderung kam der Freistaat Bayern mit ins Boot. Für Schaufling gab es eine staatliche Förderung, die genau zum richtigen Zeitpunkt aufgelegt wurde. Auch das Wasserwirtschaftsamt Deggendorf stand dem Vorhaben positiv gegenüber und berechnete den höchst möglichen Fördersatz.
Seit einigen Wochen läuft die Wasserversorgung wieder im Notbetrieb. Ein Indiz für Bürgermeister Robert Bauer, dass die Entscheidung für Waldwasser genau richtig war. Wie brisant die Lage in Schaufling ist, hat sich Mitte September beim Brand einer Lagerhalle in Nemering gezeigt. Durch den nötigen Löschwassereinsatz war die Trinkwasserversorgung für die Bürger in Gefahr.
Fließendes Wasser keine Selbstverständlichkeit
Rund ein Kilometer der Streckenführung verläuft über Privatgrund. Robert Bauer ist den Grundstückseigentümern dankbar dafür, dass sie dem Leitungsbau zugestimmt haben. Auch von den Kollegen aus Hengersberg und Auerbach habe es kein Nein gegeben. „Wenn nicht alle Beteiligten – Gemeindevertreter, Landrat Christian Bernreiter, Landratsamt, Straßenbauamt – sowohl praktisch, als auch kostentechnisch hinter dieser Maßnahme gestanden wären, wäre es nicht so schnell gegangen. Keiner hat sich gesperrt. Alle haben mitgetan, ohne Debatten“, lobt er.
Ein Fragezeichen steht noch hinter der Versorgung der Asklepios Klinik, der dementsprechende Antrag an die Gemeinde ist bisher seitens des Konzerns noch nicht eingegangen. Eine komplette Versorgung der Klinik wäre nach Fertigstellung des Waldwasser-Anschlusses technisch jedoch jederzeit möglich.
Die neue Leitung für Schaufling wird heuer noch angeschlossen. Dann herrscht auch in Schaufling wieder 100-prozentige Versorgungssicherheit. Von den Bürgern wünscht sich das Gemeindeoberhaupt mehr Sensibilität für das wichtige Thema Trinkwasser. Es gelte Wasser zu sparen, wo immer das möglich sei. Einfach den Hahn aufdrehen und das Wasser fließt, sei in keinster Weise eine Selbstverständlichkeit.
Von Sabine Heinritz
PNP, Samstag, 10.10.2020, Nr. 236