Ein zukunftsträchtiges Projekt: Bau der Wasserleitung zwischen Deggendorf und Schaufling zu zwei Dritteln fertig – Anschluss noch 2020 

Der „weiße Fleck“ von Waldwasser im Landkreis Deggendorf ist bald Geschichte.  Bis Jahresende  soll die neue Wasserleitung  für die Gemeinde Schaufling an den   Hochbehälter in Obernberg  angeschlossen werden. Dann erhält auch Schaufling sein Trinkwasser über den Zweckverband Waldwasser von der Trinkwassertalsperre  Frauenau.   

Die Arbeiten  liegen dank zweier Bautrupps  gut im Zeitplan.   Vom Deggendorfer Waffenhammer aus gräbt ein Bautrupp in Richtung Schaufling, der andere in umgekehrter Richtung. Durch die neue Leitung    soll  der Wassermangel  ein für alle Mal behoben werden, der  die Gemeinde Schaufling  seit einigen Jahren plagt.   Waldwasser-Werkleiter Hermann Gruber liegt die Zukunftssicherheit des Konzepts besonders am Herzen:  „In unserer Satzung steht, der Zweckverband wurde gegründet, um die Wasserversorgung sicherzustellen.   Von der Wasserleitung profitiert nicht nur eine Gemeinde, sondern mehrere.“ Die Gemeinde Schaufling braucht sich keine Sorgen mehr zu machen, in den kommenden Jahren auf dem Trockenen zu sitzen, und auch Hengersberg und Teile von Auerbach können so mitversorgt werden.

Notversorgung im Dürresommer 2018

„Den ersten Gedanken an eine sichergestellte Wasserversorgung hatten wir schon vor der Wasserknappheit 2018“, erinnert sich Bürgermeister Robert Bauer. Der neue Wasserwart der Gemeinde wies           schon früh auf die Gefahr hin, dass es nur eine Versorgungsleitung von Deggendorf nach Schaufling gibt.   „Wenn die ausfällt, hat  die  Gemeinde ein Problem“, bestätigten ihm damals bereits Bürgermeister Bauer und VG-Techniker Rudolf Geiß.   Man begann, nach Alternativen zu suchen. „Damals hatte das Thema allerdings noch keine derartige Brisanz“, erinnert sich der Bürgermeister.

   Das änderte sich mit dem   Dürresommer 2018.  Die versorgenden  Quellfassungen der Stadtwerke Deggendorf lieferten  kaum mehr Wasser. Der durchschnittliche Wasserverbrauch konnte nicht mehr kompensiert werden.  Mit Tankwagen musste man den Hochbehälter in Obernberg zusätzlich mit Trinkwasser befüllen. Zudem wurde es notwendig,  eine Notversorgung zum Netz der Nachbargemeinde Lalling zu erstellen, um das Versorgungsgebiet der eigenen Gemeinde aufteilen zu können.

„Spätestens jetzt war allen klar, es muss eine zukunftssichere Lösung her“, so Bauer, zumal sich die Trockenperioden häufen.   Als die sinnvollste  Lösung kristallisierte sich nach eingehender  professioneller Prüfung  die komplette  Anbindung  an  Waldwasser heraus.  Die dafür zu erstellende Zubringerleitung vom Hochbehälter Thannberg von Waldwasser zum gemeindlichen Hochbehälter Obernberg   hat eine Länge von ca. fünf Kilometern.  Nötig wird auch der Bau eines  größeren Hochbehälters in Obernberg mit einer Kapazität von 600 Kubikmetern, also beinahe das Doppelte des jetzigen. Er wird 2021  errichtet. Etwa auf halber Strecke muss ein Pumpwerk eingebaut werden, da Thannberg niedriger als der neue Hochbehälter Oberndorf liegt. Ende Juli fand der Spatenstich  für das Vorhaben statt.  Neben dem Gussrohr kommen noch ein Schutzrohr und ein Steuerkabel zur Fernüberwachung  in den Rohrgraben.

Die Gesamtkosten  belaufen sich auf rund 3,5 Millionen Euro. Die Förderung für den Leitungsbau liegt bei  etwa 50 Prozent der zuwendungsfähigen Kosten.  „Wir haben eine für alle Beteiligten wirtschaftlich  gute Lösung gefunden“, sind  sich  Waldwasser-Werkleiter Gruber und Bürgermeister Bauer einig.  Bei der Förderung kam der Freistaat Bayern mit ins Boot. Für Schaufling gab es eine staatliche Förderung, die genau zum richtigen Zeitpunkt  aufgelegt wurde. Auch das Wasserwirtschaftsamt Deggendorf stand dem Vorhaben positiv gegenüber und berechnete den höchst möglichen Fördersatz.

Seit einigen Wochen läuft die Wasserversorgung wieder im Notbetrieb. Ein Indiz für Bürgermeister Robert Bauer, dass die Entscheidung für Waldwasser genau richtig war.   Wie brisant die  Lage in Schaufling ist, hat sich Mitte September beim Brand einer Lagerhalle in Nemering gezeigt. Durch den nötigen  Löschwassereinsatz war die Trinkwasserversorgung für die Bürger in Gefahr.

Fließendes Wasser keine Selbstverständlichkeit

Rund ein  Kilometer der Streckenführung verläuft über Privatgrund. Robert Bauer ist  den  Grundstückseigentümern dankbar dafür, dass sie dem Leitungsbau zugestimmt haben.  Auch von den Kollegen aus Hengersberg und Auerbach habe es kein Nein gegeben. „Wenn nicht alle Beteiligten  – Gemeindevertreter, Landrat  Christian Bernreiter,  Landratsamt, Straßenbauamt – sowohl praktisch, als auch kostentechnisch hinter dieser Maßnahme gestanden wären, wäre es nicht so schnell gegangen. Keiner hat sich gesperrt. Alle haben mitgetan,  ohne Debatten“, lobt er.

Ein Fragezeichen steht noch hinter der Versorgung der Asklepios Klinik, der dementsprechende Antrag an die Gemeinde ist bisher seitens des Konzerns noch nicht eingegangen. Eine komplette Versorgung der Klinik wäre nach Fertigstellung des Waldwasser-Anschlusses technisch jedoch jederzeit möglich.

Die neue Leitung für Schaufling wird heuer noch angeschlossen. Dann herrscht auch in Schaufling wieder 100-prozentige Versorgungssicherheit. Von den Bürgern wünscht sich das Gemeindeoberhaupt mehr Sensibilität für das wichtige Thema Trinkwasser. Es gelte  Wasser zu sparen, wo immer das möglich sei.   Einfach den Hahn aufdrehen und das Wasser fließt,  sei in keinster Weise  eine Selbstverständlichkeit.

Von Sabine Heinritz

PNP, Samstag, 10.10.2020, Nr. 236