A Midanand im Hirgst 2018

Eingeladen zu einem geselligen Abend mit Musik und Geschichten unter dem Motto „Hirgstln duad`s“ hatte die Gemeinde Schaufling. Zur vierten Auflage der Veranstaltung „A Midanand im Hirgst“ standen Gedanken und Geschichten rund um Allerheiligen, Halloween und alten Volksglauben in der dunklen Jahreszeit.

„Auf eine Reise mit hintergründigen Gedanken zum Herbst und Zeit zum Nachdenken“ lud Bürgermeister Bauer vor gut besuchten Tischreihen im List-Saal ein. Einmal mehr stellte das Gemeindeoberhaupt seine Liebe und literarische Ader zum Brauchtum unter Beweis. Abwechselnd mit seinem Stellvertreter Richard Anzenberger las Bauer Geschichten, Gedichte und Volksglauben aus einem Fundus an heimatlicher Literatur vor.

Mit einer Mischung aus nachdenklichen, humorvollen oder gruseligen Geschichten, Hintergrundwissen zu Brauchtum und Erinnerungen an die eigene Jugend ließ der Erzähler die alte Zeit wieder lebendig werden, die teilweise noch gar nicht so lange her ist. Musikalisch untermalten die Lallinger Sänger und das Duo Regina Augustin (Gitarre) und Florian Kasberger (Akkordeon) mit traditionellen Weisen den Abend.

Mit Interesse vernahm das Publikum, was es mit der Kirchweih auf sich hat, dass diese in früheren Zeiten ein „wichtiges wie lautstarkes und ausuferndes Fest“ war, welches von der Obrigkeit um 1866 schließlich reglementiert wurde. In seinen Erzählungen schloss Bauer auch „Anni und Alois Sigl aus Hilgartsreith“ ein, einfache Bauersleut und doch etwas Besonderes. Sie leben auf ihrem Hof wie vor 100 Jahren, einfach aber glücklich, denn: „Eine glückliche Ehe ist, wenn sie ein bisschen blind und er ein bisschen taub ist.“ Das zeigt sich spätestens dann, wenn der eher sensible Alois lieber im Bett bleibt, weil die Anni Schlachttag bei ihrem Federvieh hat…
Die Geschichte eines „Häuslmanns“ gepaart mit Rückblick auf seine Sickinger Jugendzeit las Richard Anzenberger. Erinnerungen an eine Zeit, als alles noch wenig spektakulär war und (erfundene) Geschichten vom Nachbarn noch richtig Angst machten.

Nach der Pause beleuchtete Robert Bauer die dunkle Seite im Herbst, ging Allerheiligen, Halloween und dem keltischen Fest Samhain auf die Spur. Das Fest irischen Ursprungs hieß früher „All Hallows evening“, was „Abend vor Allerheiligen“ bedeutet. Seinen Ursprung hat dieses wiederum im keltischen „Samhain“, das ab dem fünften Jahrhundert v. Chr. am 31. Oktober den keltischen Neujahrstag feierte. Irische Einwanderer brachten den Brauch in den 1840er Jahren in die USA, wo er quasi als „Re-Import“ zurück nach Europa kam. Das Betteln um Süßes wiederum hat seinen Ursprung im Brauch umherziehender Christen, die am 2. November (Allerseelen) im neunten Jahrhundert um Seelenbrote baten und im Gegenzug Gebete für die verstorbenen Angehörigen der Schenkenden sprachen. Der Kürbisbrauch dagegen hat seinen Ursprung in einer irischen Erzählung, die von Jack erzählt, der Satan austrickst und letztlich mit einer ausgehöhlten beleuchteten Rübe umherziehen musste. In Amerika gab es mehr Kürbisse als Rüben, fortan verwendeten diese Kürbisse, um diesen Brauch zu leben.

Schmunzeln und/oder Gruseln konnten sich die Zuschauer abschließend mit „Weihraz“-Geschichten vom Leben und Sterben, über Totengräber und ihr Arbeitsgerät und dass man selbst am Dorftreff, der Sickinger Mühle, noch Todesängste aussteht, frei nach dem Motto „Du kannst Dich nicht verstecken“, einer Geschichte von Sophie Zellner. Mit „Unter dem Lindenbaum“ der Lallinger Sänger klang der Abend harmonisch und unter viel Applaus des Publikums aus.

Astrid Dittrich-Heering