Nachruf für Norbert Bayerl – Abschied von einem beliebten Bürgermeister

Wie beliebt und geachtet Norbert Bayerl war, zeigte die große Zahl an Trauergästen, die ihm bei der Trauerfeier die letzte Ehre gaben. Unter ihnen Abgeordnete, viele Bürgermeister aus den Landkreisen Deggendorf und Freyung-Grafenau sowie aus der tschechischen Mikroregion Chelcice-Lhenice. Der Grattersdorfer Bürgermeister ist letzte Woche nach langer schwerer Krankheit, aber dennoch überraschend im Alter von 62 Jahren verstorben.

 

Den Trauergottesdienst zelebrierte der aus Grattersdorf stammende Pfarrer Erwin Blechinger, ein Cousin der Witwe Luise Bayerl. Unterstützt wurde er von früheren Grattersdorfer Pfarrer Emil Dragula und Josef Huber, Pfarrer des Pfarrverbandes Innernzell-Schöfweg. Teilgenommen haben auch Pfarrer Philipp Höppler, Pfarrvikar Yohan Injumala sowie die Pfarrer Josef Wenig und Konrad Bittmann. In einer bewegten, persönlich gehaltenen Predigt stellte Pfarrer Blechinger fest, über Grattersdorf habe sich nach dem Ableben ihres Bürgermeisters Trauer gesenkt. Es werde dauern, bis sich der Nebel wieder lichte. „Ich habe gerne gelebt, mei Leb`n war schee“, so steht es im Sterbebild und in der Todesanzeige. Wenn er selbst so dankbar auf sein Leben zurück blicken konnte, habe es der Herrgott gut mit ihm gemeint. Sein Leben begann am 24. Mai 1955 in Loham als erstes Kind der Eheleute Maria und Georg Bayerl. Aufgewachsen ist er dort mit zwei Geschwistern. Der Zelebrant streifte den beruflichen Werdegang von Norbert Bayerl. Nach Grattersdorf kam er nach der Eheschließung mit Luise Arbinger. Bereits früh wurde er von der Politik in Bann gezogen, was sich auch deutlich durch seine fast zwei Jahrzehnte Arbeit als Bundeswahlkreisgeschäftsführer der CSU zeige. Die Familie war ihm stets heilig. Sie gab ihm in der Zeit der Krankheit Kraft. Er nahm die neue Lebenssituation nach dem Umzug ins Pflegeheim an und freute sich über 250 Besuche. Nach anfänglichem Erfolg habe sich seine Krankheit verschlechtert, weshalb er zum Wohle der Gemeinde den Rücktritt erklärte. Sein letzter Wunsch war die Anschaffung eines großen Kreuzes auf dem neuen Friedhof. Dies ist auch in der Todesanzeige verdeutlicht.

 

Politisches Wirken

In seinem Nachruf lobte 2. Bürgermeister Alfons Gramalla die große Um- und Weitsicht, das Einfühlungsvermögen und den großen Sachverstand von Norbert Bayerl in seiner gut 15jährigen Bürgermeisteramtszeit. Über seinen gesundheitlichen Zustand informierte er in monatlichen Abständen im Gemeindeblatt. Das Gemeindeblatt war eines seiner großen Leidenschaften. Bis zur Oktoberausgabe führte er vom Krankenbett aus Regie und wollte unbedingt bei Novemberausgabe noch mithelfen. Die politische Karriere begann 1978 mit der Wahl in den Gemeinderat Mariaposching, die vorerst 1981 mit dem Umzug nach Grattersdorf unterbrochen wurde. Bei der Bürgermeisterwahl 2002 setzte sich Bayerl als CSU-Kandidat mit deutlicher Mehrheit gegen seinen Mitbewerber durch und wurde 1. Bürgermeister von Grattersdorf. 2008 und 2014 erfolgte jeweils die Bestätigung durch die Bürgerschaft. Bayerl geht als großer Baumeister in die Geschichte der Gemeinde ein. Das Hauptaugenmerk lag auf Ausbau und Sanierung der Infrastruktur (Wasser und Kanal, Straßenbau), den Einbau einer Krippe in den Kindergarten, die Anlage eines neuen Friedhofes und die Ausweisung von Bauland. Die erste Stufe des Breitbandausbaues, ein wichtiger Schritt für ländliche Gemeinden, wurde durch ihn auf den Weg gebracht. Den Abschluss durfte er noch miterleben. Von Amtswegen war er Mitglied in der Gemeinschaftsversammlung der Verwaltungsgemeinschaft, im Tourismusverband Sonnenwald und in der ILE Sonnenwald, seit August 2015 war er Vorsitzender des Grundschulverbandes Lalling, bei der VHS Deggendorf Beisitzer. Ein besonderes Anliegen war ihm die Partnerschaft mit den Kommunen der tschechischen Mikroregion Chelcice-Lhenice, deren Motor Bayerl war. Es werde schwer sein, ihn hier zu ersetzen.

 

Förderer und aktives Mitglied von Vereinen

Für die Feuerwehren in der Gemeinde hatte er ein offenes Ohr. Die Wehren Roggersing, Winsing und Oberaign wurden mit neuen Löschfahrzeugen ausgestattet, für den Kauf eines neuen Fahrzeuges für die Wehr Grattersdorf-Nabin hat er noch die Weichen gestellt. Bei der Feuerwehr Grattersdorf war er zudem von März 1994 bis Dezember 2003 Vorsitzender, nach dem Zusammenschluss mit der Feuerwehr Nabin bis 2010 stellvertretender Vorsitzender. Für seine Verdienste wurde er 2010 zum Ehrenmitglied ernannt. 2015 erhielt er die Auszeichnung für 40 Jahre aktive Mitgliedschaft. Beim KSV Grattersdorf war Norbert Bayerl seit 1993 Mitglied, beim KSV Roggersing förderndes Mitglied. Bei der Waldvereinssektion Büchelstein übernahm Bayerl nach dem Tod des Ehrenvorsitzenden Arthur Rösch 2006 die Leitung der Untergruppe Grattersdorf und zudem das Amt es 2. Sektionschefs. Als Schirmherr des Büchelsteinerfestes war ihm die Feier der Bergmesse am Stoa ein großes Anliegen.

 

Die Erhaltung der Sportanlage und die Renovierung des Vereinsheimes des Sportvereins war ihm ein großes Anliegen, um der Jugend den Sport in der Heimat zu ermöglichen. Für die Einweihung des Vereinsheimes übernahm er die Schirmherrschaft. Beim Verein „Natur und Kultur am Sonnenwald“ übernahm Norbert Bayerl 2009 das Amt des Vorsitzenden, da sich kein Mitglied dafür zur Verfügung stellte. 2013 gab er das Amt wieder ab und kümmerte sich seitdem um die Kassengeschäfte. Seit 14 Jahren war er auch Mitglied bei den Edelweiß-Schützen Roggersing. Für alle Vereine war er ein Fürsprecher.

Ehrenbürger posthum

Für Grattersdorf war Norbert Bayerl ein Glücksfall, stellte Gramalla fest. Der Gemeinderat habe ihm deshalb posthum das Ehrenbürgerrecht verliehen. Norbert Bayerl könne sich der Auszeichnung nicht mehr erfreuen. Er werde aber ehrenvoll in die Geschichte der Gemeinde eingehen.

Landrat Christian Bernreiter stellte fest, dass Norbert Bayerl in allen Lebenslagen ein großer Optimist war, auch und gerade in seiner Krankheit. Dafür habe er ihn bewundert. Sein Lebensinhalt war es, zu gestalten, zu verbessern und zu helfen. Sein Engagement war vielfältig. Der Landrat blickte auf 16 Jahre Zusammenarbeit bei der CSU und als Bürgermeister beim Kampf um Chancengleichheit für den ländlichen Raum zurück. Er würdigte den Einsatz von Norbert Bayerl beim Aufbau der neuen VHS Deggendorf. Die Prämisse seines Lebens war „Ein Mann-ein Wort“.

Staatsekretär Bernd Sibler betonte die wichtige Rolle von Norbert Bayerl fast 20 Jahre lang als Bundeswahlkreisgeschäftsführer der CSU. Dafür gebühre ihm Dank. Er habe ihn als Bürgermeister erlebt, der immer auf seine Gemeinde geschaut habe. Noch kurz vor seinem Ableben durfte er Bayerl telefonisch von der Bewilligung der Stabilisierungshilfe von 600 000 Euro für die Gemeinde informieren.

Auch der Winzerer Bürgermeister Jürgen Roith erinnerte für den Kreisverband des Bayerischen Gemeindetages an einen verantwortungsvollen und einsatzfreudigen Mann, der durch seine weitsichtige Denkweise viel für seine Gemeinde bewegen konnte. Norbert Bayerl war tief in der Kommunalpolitik verwurzelt, der seine Meinung vertrat, wenn er von einer Sache überzeugt war. Er diskutierte gerne, war aber auch ein guter Zuhörer. Der Kreisverband verliere einen Ratgeber, der die bisweilen rätselhaften Wege in der Kommunalpolitik hervorragend einzuschätzen wusste.

Kirchliches Engagement

Gemeinderat Thomas Weber ließ das Wirken von Norbert Bayerl für die Pfarrei Revue passieren. Von 1990 bis 2010 war er Mitglied des Pfarrgemeinderates, davon die letzten vier Jahre stellvertretender Vorsitzender. Er kümmerte sich viele Jahre um die Erstellung des Pfarrbriefes. Halbe Sachen waren nicht sein Ding. In der Führung des Ortscaritasvereins als Träger des Kindergartens war er sieben Jahre 2. Vorsitzender, seit 2010 Vorsitzender. Mit großem Engagement prägte er das Bild des Verbandes, gab der „Caritas“ der Pfarrei eine feste Struktur und förderte die Weiterentwicklung in der Trägerschaft des Kindergartens St. Michael. Norbert Bayerl war maßgeblich an der Gründung am Verein „Freunde der Mariengrotte“ beteiligt, gehörte der Vereinsführung an und verwaltete die Finanzen. Er kümmerte sich vor allem um die finanziellen und schriftlichen Angelegenheiten des Vereins, die notwendig waren um die erforderlichen Zuschüsse und Genehmigungen für die Renovierung zu erhalten. Von 1990 bis kurz vor seiner Erkrankung war er Kommunionhelfer, spendete jährlich die Osterkerze und beteiligte sich an der Restaurierung eines Kelches. Um den Verstorbenen trauern Ehefrau Luise, die Eltern, Geschwister, Schwager und Schwäger mit ihren Familien.