ILE Sonnenwald besucht den „Bodenpapst“ – Interessanter Hofrundgang am Biolandhof Braun bei Freising

Vor kurzem lud die ILE Sonnenwald zu einer Informationsfahrt in den Biolandhof Braun nach Dürneck bei Freising ein. Auf dem Hof von Landwirt Josef Braun, welcher durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft als Demonstrationsbetrieb für Ökologischen Landbau ausgezeichnet ist, bot sich für alle Teilnehmer die exklusive Möglichkeit ausführliche Information zur Thematik aus erster Hand zu bekommen. Josef Braun, ein absoluter Pionier auf seinem Gebiet, macht seit der Hofübernahme Anfang der 80er Jahre vorbildlich nachhaltig geführte Landwirtschaft auf Basis des regionalen Bewusstseins und hat sich neben der Realisierung einer autarken Energieversorgungskonzeption für den kompletten Betrieb vor allem auch ganz der Erforschung der Bodenfruchtbarkeit verschrieben. So wendet er u. a. bereits seit 1984 die pfluglose Bodenbearbeitung an und arbeitet seit Anfang der 90er Jahre erfolg- und vor allem auch ertragreich im ausnahmslos Minimal-Bodenbearbeitungsverfahren ohne Bodenlockerung und Unkrautbekämpfung. Dabei ist die Kooperation und enge Zusammenarbeit mit Politik und Forschung, beispielsweise mit der LfL im benachbarten Freising, ein wesentlicher und wichtiger Bestandteil seines Wirkens. Es ist das herausragende Engagement, welches er in diesem Bereich seit mehreren Jahrzehnten zeigt, durch dass er überregional auch unter dem Spitznamen „Der Bodenpapst“ weitläufig bekannt ist.

Zur Fahrt konnte Schauflings 1. Bürgermeister Robert Bauer, Initiator der Exkursion und stellvertretender ILE-Vorsitzender, neben Teilnehmern aus dem gesamten ILE-Bereich und darüber hinaus seinen eigenen Bürgermeister-Stellvertreter Richard Anzenberger, Bürgermeisterkollege Josef Streicher aus Lalling, die stellvertretenden Bürgermeister Andreas Hackl (Auerbach) und Robert Schwankl (Grattersdorf) sowie auch einige Ratsmitglieder diverser Gremien im Bus begrüßen. Bereits bei der Begrüßung wies Bauer auf die Wichtigkeit der Thematik hin, bemerkte aber auch, dass in der Allgemeinbevölkerung bei vielen leider noch nicht wirklich angekommen ist, wie zukunftsweisend es für jeden Einzelnen von uns bereits schon in kürzester Zeit sein wird, sich gerade mit dem Thema „Nachhaltigkeit“ im allgemeinen auseinanderzusetzen. Die doch überschaubare Teilnehmerzahl der großflächig beworbenen und kostenlos sowie unverbindlich angebotenen Fahrt zeigt dies.

Am Hof von Josef Braun angekommen merkte man dem Hofinhaber sofort an, wie wichtig es ihm ist, Menschen für die Thematik zu sensibilisieren. Er stellte fest wie weit man bereits seit vielen Jahrzehnten von einem grundsätzlich „normalen“ Verhalten und Vorgehen wegkam und wie viel dadurch schon an Schaden, gerade auch am Boden, sowie auch im allgemeinen entstanden ist. Er erläuterte aber auch, dass alles relativ schnell wieder so hergestellt sein kann, wie es sein sollte, wenn man nur geschlossen dahinter steht und es auch will. „Es kann nicht so weitergehen, wie wir seit Jahrzehnten mit unseren Ressourcen umgehen, es muss ein Umdenken kommen!“, stellte er fest. Dabei machte er aber auch mit Nachdruck deutlich, dass es eben nicht die „konventionellen“ Landwirte sind, welche gerade im Agrarsektor Schuld am jahrzehntelangen Raubbau hätten und welche hier fast ausnahmslos als Sündenbock der Schwarze Peter zugeschoben wird. Politik und Forschung sind es, welche vor allem in der Vergangenheit – leider aber auch heute noch – eine Agrarpolitik vorantreiben, die nur in den Graben gefahren werden kann. Sowohl für die Bevölkerung als auch für Natur, Tiere und Umwelt. Begleitend zu diesen einführenden Worten wies er aber auch bewusst darauf hin, dass er – gerade was die Bodenfruchtbarkeit angeht – eng mit der Forschung zusammenarbeite und hier beide Seiten vom ständigen Austausch profitieren. Nur so können langfristig auch wichtige Informationen und Erkenntnisse aus der Praxis auch nachhaltig Einzug in eine positive Weiterentwicklung der Agrarstruktur nehmen. Auch sein gutes Verhältnis sowie der stete Austausch mit der Politik, hier vor allem mit Landwirtschaftsminister Helmut Brunner, stellte er heraus. Denn nur gemeinsam kann dieses Thema maßgeblich in die richtige Richtung geführt werden, ist sich Josef Braun sicher. Daher ist der enge Austausch mit den Verantwortlichen unerlässlich. Zum einen um auf Missstände frühzeitig hinzuweisen. Zum anderen, um solche bestmöglich erst gar nicht entstehen bzw. sich weiter entwickeln zu lassen. Mit einigen interessanten Details zur Bodenbiologie schloss er seine einleitenden Ausführungen. So war es für alle interessant zu erfahren, dass ein Quadratmeter gesunder Ackerboden rund 600 Regenwürmer beinhaltet. Im Vergleicht zum konventionellen Boden sind dies nur etwa 20 Regenwürmer. Diese 600 Bodenlockerer pro Quadratmeter wiederrum produzieren durch ihre Ausscheidungen frischen Humus in welchem sich in etwa das doppelte an Stickstoff befindet als aktuell im Jahresdurchschnitt in der konventionellen Landwirtschaft durch Düngung, beispielswiese in Form von Gülle, ausgebracht wird.

Hofrundgang am Biolandhof Braun

Beim Hofrundgang konnte sich jeder einen Eindruck von der Pionierarbeit machen, welche Josef Braun allumfassend seit Hofübernahme betreibt. Im Stall erläuterte er ausführlich wie wichtig es ist, dass auch „Nutztiere“ sich so ernähren und so leben können sollten, wie es normal der Fall wäre und wie es seit jeher ohnehin von der Natur vorgegeben wäre – ohne Wirtschaftsfaktor im Hinterkopf. Wichtig war es ihm bei seinen Ausführungen immer auch kritische Einwürfe oder Fragen nicht einfach abzuweisen, sondern gerade auf diese besonders zu achten, die Besucher zu Wort kommen zu lassen und darauf intensiv einzugehen. In informativer und sachlicher Argumentation entwickelte sich dabei der eine oder andere interessante Austausch mit konventionellen Landwirten, welche ebenfalls in der Gruppe zu finden waren. So konnte Josef Braun hierbei z. B. eindrucksvoll erklären, dass gerade durch die „natürliche“ Haltung seiner Rinder, mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von etwa 8 Jahren, für ihn Tierarztkosten so gut wie keine Rolle mehr spielen und dies den Faktor „Masse“ mehr als aufwiegt. Und dabei ist es nicht unbedingt notwendig Unsummen an Geld für Endprodukte – auch von seinem Hof – zu zahlen. Durch die Fütterung überwiegend mit Heu sind Kräuterbestandteile in der Nahrung komplett enthalten was wiederum dem natürlichen Essverhalten der Tiere entspricht und daher zur Gesundheit dieser beiträgt. Der größte natürliche Antibiotikalieferant „Spitzwegerich“, welcher in allen Bestandteilen im Heu komplett erhalten bleibt, trägt hier maßgeblich dazu bei. „Derartige von Natur gegebenen Heilmittel nicht zu nutzen und dafür lieber regelmäßig den Tierarzt zu konsultieren, macht eigentlich keinen Sinn“, so Josef Braun.

Interessante Ausführungen durch Josef Braun

Anschließend kam man zu der Energieversorgung des Hofes. Hier zeigte Josef Braun der Gruppe vorab seine Heutrocknung. Die Trocknung des Futters erfolgt nicht auf der Wiese, sondern ausschließlich direkt am Hof. Zur Trocknung wird die Abwärme einer Photovoltaikanlage genutzt, welche an Stelle eines Ziegeldaches auf seiner Scheune als Indachmontage montiert wurde. Durch die schonende und energieeffiziente Warmlufttrocknung des Heu`s bleiben darin die wertvollen Kräuterbestandteile und Nährstoffe, wie vorhin schon erwähnt, erhalten. Sollte es längere Schlechtwetterperioden geben, so nutzt Josef Braun die Energie eines hackschnitzelbetriebenen Holzvergasers um die Trocknung durchführen zu können. Des Weiteren liefert diese Holzvergasung, neben der erwähnten großflächigen Dach-PV-Anlage, die zusätzliche Energie (Strom und Wärme) für den Bedarf des gesamten Anwesens. Die dafür benötigten Hackschnitzel wiederum kommen aus den dafür eigens von ihm angelegten Agroforst-Streifen mit Pappeln, Weiden und Erlen entlang der Acker- und Weideflächen, womit sich der Nährstoffkreislauf auf vorbildliche Weise schließt.

 

Blick in die Scheune mit der Heutrocknungsanlage

Hierzu merkte Josef Braun an, dass dies grundsätzlich der Gedanke sei, auf den wir alle hin müssen. „So lang wir Dinge produzieren, welche wir nicht wieder in den Kreislauf zurückführen können, sind wir mit immer schnellerem Tempo unterwegs an die Wand zu fahren – schneller als uns allen lieb ist. Aber, wir haben alle die Möglichkeit hier relativ schnell vieles zu ändern!“, so der Bodenpapst. Zum Abschluss des rund 3stündigen Hofrundganges kam man noch am großzügigen Hühnergehege und dem überraschend kleinen Maschinenpark, im Verhältnis zur Hofgröße, vorbei. Josef Braun erläuterte noch interessantes zu den Experimenten bzgl. neuer Anbauverfahren. Getreidemischanbau mit Agroforst auf den Ackerflächen bei welchen die Elemente Landwirtschaft und Forstwirtschaft weiterhin versucht werden auf nachhaltigste Weise zu kombinieren, ist u. a.  Bestandteil davon. Auch von einem abschließenden Ausflug in Sachen alternativer nachhaltiger Nutzung von Kohle in Bezug auf Gülleausbringung, an welcher er zusammen mit der Forschung arbeitet, zeigten sich die Besucher der ILE Sonnenwald sehr interessiert.

 

Abschließend zu dem mit über 3 Stunden dauernden großzügig und sehr informativ von Josef Braun durchgeführten Hofrundgang bedankte sich Bürgermeister Robert Bauer beim „Braun Sepp“ für die Zeit, welche er der Gruppe schenkte. Die eingehende Information aus erster Hand nahm Bürgermeister Bauer zum Anlass alle Teilnehmer darum zu bitten die heute gesammelten Erfahrungen an Freunde und Bekannte weiterzugeben um somit weiterhin daran zu arbeiten für die Thematik zu sensibilisieren und deren Wichtigkeit sowie Dringlichkeit bei den Leuten ins Bewusstsein zu rücken. Als kleines Präsent überreichte er Josef Braun einen Korb mit heimischen Spezialitäten unserer Region. Josef Braun freute sich über das Präsent und merkte an, dass er gerne bereit war für die Gruppe Zeit aufzubringen. Auch weiterhin steht er für eine Zusammenarbeit im Sinne der Sache gerne unterstützend zur Verfügung, so der Bodenpapst. Diese Zusage nahm Bauer gerne dankend an.

Die Gruppe der ILE Sonnenwald mit „Bodenpapst“ Josef Braun

Ein abschließender Besuch im Hofladen sowie das anschließende gemeinsame Mittagessen der Gruppe im Bräustüberl Weihenstephan, bei welchem die gesammelten Eindrücke bereits eingehend diskutiert wurden, schloss die interessante und kurzweilige Informationsfahrt der ILE Sonnenwald ab.

 

ILE Sonnenwald