Digitaler Mehrwert fürs Lehren und Lernen – Realschule Schöllnach nimmt als eine von acht bayerischen Schulen am Modellprojekt „Digitale Schule 2020“ teil

Quelle: DZ
Von Wendelin Trs

Schöllnach. Ab ins Raumschiff Richtung Zukunft: Die Staatliche Realschule Schöllnach ist eine der acht bayerischen Schulen, die am Schulversuch „Digitale Schule 2020“ der Stiftung Bildungspakt Bayern teilnimmt. In drei Schuljahren sollen dabei Erkenntnisse gewonnen werden, wie durch die Digitalisierung ein Mehrwert fürs Lehren und Lernen gewonnen werden kann. Eine Kickoff-Veranstaltung gab gestern nach dem Vorbereitungsjahr  den offiziellen Auftakt dazu.

Foto: DZ, Binder

Wer bei Digitalisierung erst einmal an Mathe,  Physik oder Informatik denkt, liegt sicher richtig.  Doch lassen sich beispielsweise  auch im Deutschunterricht neue Medien  einsetzen. Begeistert präsentierten die Sechstklässler gestern in der Aula den Gästen Videoclips auf Tablets. Sie hatten am Wandertag Fotos von Bäumen geschossen, die ihnen  aufgefallen sind. In Teamarbeit entwickelten sie dazu eigene Sagen, verfassten die Texte und kreierten mittels einer App die Videos, die sich via  QR-Code aufrufen lassen. Nicht nur die Kreativität der Schüler war gefragt, Deutschlehrerin Claudia Lindner nennt weitere Vorteile: Sie waren an der frischen Luft, übten Kommunikation, sprachen sich daheim auch mittels neuer Medien ab (das spart Zeit) und sie präsentierten ihre Arbeit offensiv (mittlerweile eine Schlüsselqualifikation). Das Ganze war kein monatelanges Schulprojekt, sondern nahm nur drei Schulstunden in Anspruch. Fächerübergreifend arbeiteten die Sechstklässler, die in Mathe und Religion über Virtual-reality- Brillen dreidimensionale Ansichten des Kölner Doms zeigten. Im Biounterricht wurde das Handy zum Körperscanner.

Die Digitale Schule wird den  Schöllnachern aber noch viel mehr neue Techniken bieten, sie vor Herausforderungen und Probleme stellen. In einem Videotrailer wurden Erfahrungen, Erwartungen, aber auch Sorgen  deutlich. „Eine Frage, 30 Antworten“, nannte Konrektor Andreas Oswald den Vorteil, wenn er der Klasse eine Frage stellt, und alle Schüler via Smartphone antworten können, statt einem, der sich meldet und drankommt. So könne man  individuell auf die Schüler eingehen. Ein Problem stellen dagegen beispielsweise noch Lizenz- und  Urheberrechte dar. Dass das Lesen, Schreiben und Rechnen bei aller notwendigen Digitalisierung nicht vergessen wird, darauf machte der Elternbeirat aufmerksam.

Das unterstrich auch Staatssekretär Bernd Sibler in seinem Grußwort. „Die Technik  ersetzt das Lernen nicht, die Technik dient der Pädagogik“, so seine Grundaussage. Die Digitalisierung solle das Lehren und Lernen bereichern. Durch den Schulversuch sollen sinnvolle Anwendungszwecke erarbeitet werden.

Sibler: Technik dient der Pädagogik
Mehrwert, Erleichterung, Fortschritt und Medienkompetenz waren die meistgenannten Schlagworte auf die Frage, was die Gäste von dem Schulprojekt erwarten. Nach Aufforderung durch Konrektor Oswald tippten die Besucher ihre Antworten ins eingeloggte Handy ein und in Echtzeit warf der Beamer sie in einem Wortcluster an die Wand. Sibler wies aber auch darauf hin, dass man die Bedenken berücksichtigen müsse, die in Antworten wie „nichts“ oder „analoge Rebellen“  zum Ausdruck kamen. Und das Digitalisierung das Lernen nicht ersetzt, zeigte  die Antwort „Vortschritt“. Grundsätzlich sei die Handy-Aktion in der Aula sogar verboten gewesen, denn die bayerische Schulordnung erlaube den Einsatz von Mobiltelefonen in der Schule nicht, wies Sibler auf  ein Dilemma hin, wie sehr der Alltag die Vorgaben bereits überholt habe und wo es anzusetzen gilt.

Das Smartphone als gute Schnittstelle zwischen Schule, Lehrern, Schülern und Elternhaus nutzt auch die neue Realschul-App, die gestern Lehrer Andreas Lindner vorstellte. Er hatte die App selbst entwickelt und durch Lehrer und ausgewählte Eltern testen lassen. Mit dem Handyprogramm  lassen sich bequem viele Infos abrufen (Termine, individueller Stundenplan, Schulaufgabenplan usw.) oder man kann damit eine Krankmeldung online abgeben. Auch sie soll im Laufe des Schulversuchs weiterentwickelt werden.

„Uns muss bewusst sein, dass wir als Suchende einen Weg beschreiten“, fasste Schulleiter Michael Graf das Projekt in seinen Dankesworten zusammen.  Ihm war es vor allem ein Anliegen, für die  Bereitschaft und das Engagement seines Kollegiums zu danken. Bei der letzten Lehrerkonferenz erhielt er für das Digitalisierungsprojekt in einer Abstimmung, die anonym und online (!) durchgeführt wurde,   90 Prozent Zustimmung  – trotz Mehrarbeit, Fortbildungen etc. Es sei aber auch herausgekommen, dass er es nicht übertreiben solle, das Versprechen gab er gestern.

Beim Kickoff führten Celina Keil (10c) und Maximilian Weber (10a) sehr unterhaltsam durch das Programm, nahmen nicht nur durch die Titelmelodie  immer wieder Bezug    auf die Star-Trek-Filme. „Möge die Macht auch weiterhin mit Ihnen sein“, holten sie beispielsweise Landrat Christian Bernreiter ans Rednerpult. Bei Bürgermeister Alois Oswald stießen sie auf jemanden, der nach eigenem Bekunden noch der Generation Raumschiff Enterprise angehört. Guten Flug!

„Schule ist kein Versuchslabor“
Grußworte zum Start des Digital-Projekts

Neben Staatssekretär Sibler (siehe Haupttext), der der Realschule Schöllnach auch eine mustergültige Arbeit bei der Vorbereitung des Schulversuchs attestierte, sprachen noch weiter Persönlichkeiten Grußworte zum Start der „Digitalen Schule“.

Landrat Christian Bernreiter mit einem Schüler Foto: DZ, Binder

Landrat Christian Bernreiter sprach vom Weg in die richtige Zukunft. Er verhehlte nicht, dass Deutschland in Sachen Digitalisierung etwas später dran sei als manche anderen Länder. „Wir dürfen den Zug nicht versäumen.“ Dazu brauche man Geld, die Kommunen könnten hier nicht in Vorleistung gehen, es handle sich um gewaltige Summen. In Bayern gehe  es darum, wie die 300 Millionen Euro aus dem Digitalisierungspakt verteilt werden. Gefordert sei aber vor allem die künftige Bundesregierung, die die Rahmenbedingungen setzen müsse.

Wie rasant die Zeit sich verändert habe, darauf machte Bürgermeister Alois Oswald aufmerksam, selbst ein Absolvent der Realschule Schöllnach. Er gehöre noch zur „Generation Rechenschieber“ und als der Taschenrechner Einzug hielt, habe man ihn nicht benutzen dürfen. Wie sehr die Technik in der Zwischenzeit vorangeschritten sei, machte er an der Landwirtschaft fest. Dass die Realschule als eine von acht Schulen in Bayern für das Projekt ausgewählt wurde, bezeichnete er als Auszeichnung für Schöllnach, den Landkreis und die ganze Region.

Ralf Kaulfuß, Geschäftsführer der Stiftung Bildungspakt Bayern, appellierte an die Pädagogen: „Schule ist kein Versuchslabor. Wir haben eine Verantwortung für die Schüler.“ Er bezeichnete es als eine gute Entscheidung, die Chancen des Projekts zu nutzen, man dürfe die Risiken aber nicht aus den Augen verlieren.

Prof. Dr. Martin Griebl, Leiter der EDV-Schulen des  Landkreises Deggendorf, beglückwünschte nicht nur die Realschule, sondern auch den Freistaat Bayern zur Auswahl der Schöllnacher Schule, die er aus der Zusammenarbeit kennt. „Die Realschule Schöllnach redet nicht nur über die Digitalisierung, sondern geht in die Tiefe. Sie liefert nicht nur Überschriften, sondern Inhalte“, sagte er.

Zu den Gästen der Veranstaltung gehörten unter anderem auch Ministerialbeauftragter Bernhard Aschenbrenner und Ministerialrat Rüdiger Wieber vom Kultusministerium, Bürgermeister der Nachbargemeinden sowie  Jürgen Böhm als Bundesvorsitzender Verbands Deutscher Realschulen mit weiteren Schulleiterkollegen aus der Region.wet